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Pressemitteilung vom 02.07.2019

„Nicht so zaghaft, Hamburg. Mehr Bio macht Schule!“

hamburg.bio e. V. unterstützt die Schritte der Stadt Hamburg hin zu mehr ökologischen, saisonalen Lebensmitteln / Bio-Lebensmittel aus der Region sind langfristig die günstigere Wahl / Forderung: entschlossenes Vorgehen mit konkreten Zielen und Kompensationen sowie Kontrollen

 

Hamburg, 02.07.2019. Die Hamburger Behörde für Umwelt und Energie hat kürzlich einen neuen Umweltleitfaden veröffentlicht. Er enthält erstmals Vorschriften für den Bio-Anteil bei der Lebensmittelbeschaffung durch die Stadt. Parallel beschloss die Hamburger Bürgerschaft im Juni, dass der Anteil von Bio-Lebensmitteln in der öffentlichen Verpflegung gesteigert werden soll. Der Wirtschaftsverein hamburg.bio e. V. unterstützt die Stadt bei diesem Ziel, fordert aber ein entschlosseneres Vorgehen und sozialen Ausgleich.

 

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Zitat: „90 Prozent Bio bis 2030“

 

Karl Wolfgang Wilhelm, Vorstand des hamburg.bio e. V., sagt: „Zehn Prozent Bio in der öffentlichen Beschaffung wie im Umweltleitfaden festgehalten, kann nur der Anfang sein. Wir brauchen eine dynamische Entwicklung mit konkreten Zielen – zum Beispiel 30 Prozent Bio bis 2022, 50 Prozent bis 2025 und 90 Prozent bis 2030.“

 

Zitat: „Öko-Regionalität verbindlich machen“

 

„Regionale Bio-Lebensmittel sind für die Stadt und die Gesellschaft langfristig günstiger, weil sie weit weniger unsichtbare Kosten produzieren als konventionelle Lebensmittel“, sagt Wilhelm. „Bio schützt Böden, Grundwasser und natürliche Vielfalt. Und regionale Bio-Erzeugnisse zeichnen sich durch kurze Transportwege und größere Frische aus, dadurch haben sie Vorteile im Hinblick auf CO2-Einsparungen und können sich positiv auf die Gesundheit auswirken.“

 

Sowohl in öffentlichen Ausschreibungen als auch durch vertraglich festgelegte Leistungsverzeichnisse kann mit etwas Kreativität vermehrt auf ökologische Produkte aus der Region gesetzt werden, so Wilhelm weiter.

 

Zitat: „Bio schafft Arbeitsplätze“

 

Darüber hinaus sorge der ökologische Landbau mit der angeschlossenen Verarbeitung in Bäckereien, Molkereien, Fleischereien, Mühlen und Küchen für eine hohe Wertschöpfung in der Region. Wilhelm: „Bio schafft Arbeitsplätze! Das zeigt sich an vielen erfolgreichen Betrieben der Region – zum Beispiel an den Hamburger Staaatsgütern Wulksfelde, Wulfsdorf und Wohldorf. Sie sind inzwischen Leuchttürme der Bio-Lebensmittelwirtschaft in der Region.“

 

Wichtig ist aus Sicht von hamburg.bio, dass die Regelungen nicht nur für Behörden und ihre Kantinen gelten, sondern für alle städtischen Einrichtungen und Unternehmen. Karl Wolfgang Wilhelm: „Wirtschaftssenator Westhagemann hat in der Bürgerschaftsdebatte betont, dass die Stadt die Verpflichtung eingegangen sei, den Einsatz von Bio-Lebensmitteln in allen Einflussbereichen des Senats zu erhöhen. Wir nehmen ihn gern beim Wort.“

 

Zitat: „Die Stadt muss Mehrkosten ausgleichen“

 

Karl Wolfgang Wilhelm: „Eins ist aber klar: Mehr regionales, saisonales Bio ist nicht zum Nulltarif zu haben.“ Dem hamburg.bio-Vorstand zufolge ließen sich die höheren Lebensmittelpreise aber zum Teil durch eine geschickte Gestaltung der Speisepläne kompensieren, etwa durch weniger Fleisch und tierische Lebensmittel. Erste Erfahrungsberichte würden laut Wilhelm zeigen: „Bei 100 Prozent bio kommt es insgesamt zu realen Mehrkosten von rund 15 Prozent. Das muss die Stadt aus Steuermitteln ausgleichen. Denn gutes Essen muss besonders in Kitas und Schulen auch für einkommensschwache Familien bezahlbar sein.“

 

Verein bietet Unterstützung an: „Nicht so zaghaft, Hamburg. Mehr Bio macht Schule!“

 

Neben mehr Bio brauche es ein wirkungsvolles, behördliches Kontrollverfahren, so Wilhelm. Er bietet der Stadt die Unterstützung der ökologischen Lebensmittelwirtschaft der Region an und ruft ihr zu: „Nicht so zaghaft, Hamburg. Mehr Bio macht Schule!“

 

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Die Forderungen von hamburg.bio in Kürze

  • Die Bio-Anteile sollen dynamisch angehoben werden: beispielsweise bis 2022 auf mindestens 30 Prozent, bis 2025 auf mindestens 50 Prozent und bis 2030 auf mindestens 90 Prozent.
  • Perspektivisch soll eine Bio-Quote von 90% in allen öffentlichen Einrichtungen, städtischen Unternehmen und bei allen Verpflegungsdienstleistungen im Auftrag der Stadt und ihrer Einrichtungen verbindlich festgelegt werden.
  • Reale Mehrkosten müssen durch die Stadt ausgeglichen werden. Denkbar wäre zum Beispiel, die Preisdifferenz zu konventionellen Lebensmitteln durch eine öffentliche Förderung auszugleichen.
  • Möglichst viele Bio-Lebensmittel sollen aus der Region beschafft werden. Der Bürgerschaftsantrag greift ganz konkret die Förderung regionaler Bio-Lebensmittel in Verbindung zur städtischen Gemeinschaftsverpflegung auf. Dazu fordern wir unmittelbar einen Arbeitskreis einzurichten, der die Möglichkeiten regionaler Kriterien unter geltendem Recht auslotet.
  • Die Verwaltung muss natürlich kontrollieren, ob die Vorgaben umgesetzt und die Ziele erreicht werden.

Hintergrund: Umweltleitfaden und Bürgerschaftsbeschluss

  Umweltleitfaden Bürgerschaftsbeschluss
Kitas

Die städtischen Elbkinder sind nur auf Basis einer Empfehlung betroffen.

 

Private Kitas sind faktisch vom Umweltleitfaden ausgenommen, sie bestimmen ihre Verpflegungskriterien selbst.

Elbkinder als städtisches Unternehmen sind u.a. betroffen von:
•    schrittweise Steigerung des Anteils an Bio-Lebensmitteln, größtmöglich aus regionalem Anbau
•    Caterer und Lieferanten müssen bio-zertifiziert sein
•    Informations- und Weiterbildungsangebote für Hauswirtschaft
•    Integration der Ernährungsbildung in Lehrplan
Schulen

Bei Schulverpflegung über ein Catering ist die Schule theoretisch vom Umweltleitfaden betroffen. Herausforderung: Bei aktuellem Preis von 3,50 € pro Essen und angesichts der Steigerung des Mindestlohns auf 12 € ab 2020 ist dies städtische Förderung kaum umsetzbar.

 

Herausforderung bei eigener Schulkantine: Bestehende Pachtverträge müssen gekündigt werden oder auslaufen. hamburg.bio vermutet, dass der Umweltleitfaden hier nicht greift.

Schulen sind als städtische Einrichtungen u.a. betroffen von:
•    schrittweise Steigerung des Anteils an Bio-Lebensmitteln, größtmöglich aus regionalem Anbau
•    Caterer und Lieferanten müssen bio-zertifiziert sein
•    Prüfung des aktuellen Bio-Anteils & Formulierung von Optimierungspotentialen
•    Integration der Ernährungsbildung in Lehrplan
städtische Kantinen betroffen u.a. von:
•    10% Bio des geldwerten Anteils
•    20% frische Produkte gemäß Saison
•    max. 2 Fleischmenüs/Tag bei 3 und mehr Menüs; max. 4 Fleischmenüs/Woche bei 1 Menü/Tag
•    Dokumentation Lebensmittelabfälle und Optimierung
U.a. betroffen von:
•    schrittweise Steigerung des Anteils an Bio-Lebensmitteln, größtmöglich aus regionalem Anbau
•    Produkte wie Snacks, Riegel und Kaffee in steigendem Maße in Bio- UND Fairtrade-Qualität
•    Caterer und Lieferanten müssen bio-zertifiziert sein
öffentliche Veranstaltungen Betroffen u.a. von:
•    10% Bio des geldwerten Anteils
•    20% frische Produkte gemäß Saison
•    80% der Speisen im Rahmen eines Caterings vegetarisch
U.a. betroffen von:
•    schrittweise Steigerung des Anteils an Bio-Lebensmitteln, größtmöglich aus regionalem Anbau
•    Caterer und Lieferanten müssen bio-zertifiziert sein
•    Prüfung von möglichen Vorgaben, die Caterern und Standbetreiber bei Großveranstaltungen gemacht werden können
öffentliche Beschaffung Betroffen u.a. von:
•    10% Bio des geldwerten Anteils
•    20% frische Produkte gemäß Saison
•    Zuschlagskriterium bei Rahmenvereinbarungen: Anteil Biolebensmittel mit 30% Gesamtgewichtung
U.a. betroffen im Rahmen städtischer Einrichtungen von:
•    schrittweise Steigerung des Anteils an Bio-Lebensmitteln, größtmöglich aus regionalem Anbau
•    Caterer und Lieferanten müssen bio-zertifiziert sein
städtische Unternehmen Vom Umweltleitfaden ausgenommen bzw. Anwendung auf freiwilliger Basis U.a. betroffen von:
•    schrittweise Steigerung des Anteils an Bio-Lebensmitteln, größtmöglich aus regionalem Anbau
•    Produkte wie Snacks, Riegel und Kaffee in steigendem Maße in Bio- UND Fairtrade-Qualität
•    Caterer und Lieferanten müssen bio-zertifiziert sein

Pressematerial

 

Porträt von Karl-Wolfgang Wilhelm hier zum Download

 

Über hamburg.bio e. V.

 

hamburg.bio e. V. ist ein Verband der ökologischen Lebensmittelwirtschaft in der Metropolregion Hamburg. Der Verein unterstützt die Freie und Hansestadt Hamburg dabei, die Ziele des Bio-Städte-Netzwerks zu verwirklichen. Unter anderem soll der Anteil von Bio-Lebensmitteln in öffentlichen Einrichtungen wie Kitas, Schulen oder Behörden signifikant steigen. Die Stadt hat als Großverbraucherin eine starke Marktmacht, die sie für nachhaltigere Ernährung nutzen will. Dies ist auch ein starkes Signal an die Verbraucherinnen und Verbraucher, selbst häufiger zu regionalen Bio-Erzeugnissen zu greifen. Das gemeinsame Ziel: mehr Bio-Lebensmittel auf den Tellern der Hamburgerinnen und Hamburger.

 

Rund 25 Erzeuger, Verarbeiter, Händler, Caterer und Zertifizierer von Bio-Lebensmitteln sind Mitglied bei hamburg.bio e. V. Mit ihrer gemeinsamen Kompetenz berät hamburg.bio öffentliche Einrichtungen und Unternehmen, die Bio-Lebensmittel einsetzen wollen. Darüber hinaus vernetzt der Verein die Bio-Branche der Region untereinander und mit Verbraucherinnen und Verbrauchern. Etwa auf der hamburg.bio-Messe, die 2019 zum dritten Mal in der Hamburger Handelskammer stattfand.

 

Der hamburg.bio-Verein und seine Mitglieder setzen bei all ihren Aktivitäten auf Partnerschaften und Kooperationen. Gemeinsam arbeiten sie daran, dass ökologische Lebensmittelerzeugung zur Normalität wird und Menschen sich gesund und nachhaltig ernähren können.

 

Mitglieder von hamburg.bio e. V.

 

www.hamburg.bio/mitglieder-des-hamburg-bio-vereins.html

 

Ansprechpartner

 

Vorstand hamburg.bio e. V.
Karl Wolfgang Wilhelm
Mobil 0157 77744008
karl-wolfgang.wilhelm@hamburg.bio

Referentin des Vorstands
Anita Oberlin
Mobil 0176 46620218
anita.oberlin@hamburg.bio

Allgemeiner Pressekontakt
Ulf Schönheim
Mobil 0179 2669897
kommunikation@hamburg.bio

hamburg.bio e. V.

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22113 Hamburg

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